P. Schwartz-Wort für den Monat April

„Herr! Wenn du in dein Reich kommst, gedenke meiner.“

So rief der rechte Schächer am Kreuze zu Christus, dem Herrn. Unten stand die ungläubige Menge, die selbst bei dem Anblicke der furchtbarsten Qualen des Heilandes nicht zum Mitleide gestimmt wurde, sondern in die entsetzlichsten Gotteslästerungen ausbrach. Wie ganz anders stellt sich uns der rechte Schächer dar. Ein Gnadenstrahl hat sein Herz getroffen! Er erkennt seine große Sündenlast und die Gerechtigkeit seiner Verurteilung; deshalb verweist er strenge den linken Schächer, als auch dieser in die Lästerungen des Volkes miteinstimmte. Dann aber richtet er seinen Blick auf den gekreuzigten Heiland, indem er ausruft: „Herr! Wenn du in dein Reich kommst, gedenke meiner.“ (Lk 23, 42) Er bekennt ihn laut als seinen Herrn und Gott.

Aber warum erfaßte nicht den Schächer Angst, jetzt, da … er sich eben seiner Verbrechen wegen der Todesstrafe überliefert sah?

Die Liebe des Heilandes gegen seine Mörder war zu erhaben, als dass sie in dem rechten Schächer irgend einen Zweifel aufkommen ließ, daß das göttliche Herz Jesu seiner demuts- und reuevollen Bitte gegenüber sich hart erweisen könnte. Er „hoffte“ und wurde gerettet; denn „durch Hoffnung werden wir selig.“

sel. P. Anton Maria Schwartz, Probepredigt im Priesterseminar während des Mittagessens am 5.4.1874