Kalasantiner-Kongregation

P. Schwartz-Wort für den Monat März

Von der wahren Freude im Herrn

„Die wahre Freude ist nur in der Tugend der Demut zu finden; denn Demut und Heiterkeit sind so unbedingt zusammen, wie Leib und Seele unbedingt zusammen sein müssen, um einen Menschen zu bilden. Ein demütiges Herz wird stets zufrieden und freundlich sein, es wird auch nichts Anstößiges an sich haben und wird und muss auch immer den Frieden des Herzens bewahren. Die falsche oder weltliche Freude ist wankelmütig; sie ist bald freundlich, bald verdrießlich und mürrisch und hat nichts Andauerndes an sich. Das ist auch leicht erklärlich. Nehmen wir an, ein Theater beginnt um 1/2 8 Uhr und dauert bis 12 Uhr. Da werden die Leute gewiss überdrüssig, wenn es auch noch so schön ist; sie werden sagen: ‚Jetzt dauert es doch schon zu lang, ich möchte schon lieber zuhause im Bette sein.‘
Die geistige Freude dauert ewig und zwar, weil sie auf der Demut gegründet ist. Sie ist wie ein starker Baum; da mag der Wind noch so stürmen, er kann wohl den Wipfel und die Äste biegen und brechen, aber unten, der Stamm und die Wurzeln sind fest. So ist es auch bei einem Menschen, welcher die geistige Freude besitzt. Er wird immer demütig sein; der wahrhaft Demütige verliert den Frieden des Herzens nicht, da mag was immer kommen, es mögen Stürme hereinbrechen, er wird immer ruhig, immer ergeben in den Willen Gottes sein und mit Freuden die Leiden umfassen.
Schauen wir hin auf das Beispiel so vieler Heiliger, die in den größten Stürmen immer gleich, immer freundlich, immer zuvorkommend, nachgiebig, geduldig, mit Liebe alles ertragend waren. Alle anderen Freuden nehmen ein Ende; aber die geistige Freude wird nicht vergehen, weil sie in Gott ist.“

sel. P. Anton Maria Schwartz, geistliche Konferenz an die Mitbrüder vom 5.12.1895