P. Schwartz-Wort für den Monat Mai

„Wir sind Kinder Mariens, die unsere Mutter ist“

Als Jesus am Kreuze hing, sagte er zu Johannes: „Siehe, deine Mutter!“ Der Heiland ist für uns alle in die Welt gekommen; in Jesus sind gleichsam alle Menschen vereinigt. Wenn nun der Heiland den hl. Johannes anstatt seiner der gebenedeiten Mutter zum Sohne gibt, so übergibt er in Johannes uns alle als Kinder der lieben Mutter. Ja, wir sind Kinder Mariens, die unsere Mutter ist. Wie liebt eine Mutter ihr Kind! Sie teilt ihm von allen ihren Schätzen mit und ist bereit, das Liebste hinzugeben für das Wohl des Kindes. Wenn dies die Stärke der sinnlichen Liebe ist, wie groß ist dann die Liebe unserer guten Mutter zu uns, die uns nicht mit einer bloß natürlichen, sondern mit einer übernatürlichen Liebe liebt, die aus der unendlichen Liebe des göttlichen Herzens Jesu selbst ihre Stärke und Kraft erhalten hat. Maria teilt als Mutter reichlichst von ihren Gnaden uns Kindern mit. Als Mutter Jesu und als unsere Mutter ist sie die Mittlerin zwischen Jesu, ihrem Sohne und uns, ihren Pflegekindern. Sie erbittet und erwirkt uns alle Gnaden, sie leitet und führt uns auf dem Wege in den Himmel. Wer sich Maria übergibt, dessen Heil ist ganz gewiss!
Daher kommt es, warum die Heiligen diese gute Mutter so zärtlich geliebt und innig verehrt haben und auch die Gläubigen zur kindlichen Andacht gegen die Gottesmutter zu entflammen bemüht waren. Sie vergleichen, um zu zeigen, wie alle Gnaden durch Maria uns zukommen, die Gottesmutter mit einem Kanal, der aus dem unendlichen Meere der Gnaden des göttlichen Herzens diese in unsere Herzen überleitet.

sel. P. Anton Maria Schwartz, Predigt zum Fest „Verkündigung des Herrn“ während der Kaplanszeit in Marchegg