Kalasantiner-Kongregation

P. Schwartz-Wort für den Monat Mai

Ein großer Himmelsfürst, einer der ersten Engel, war es, der der heiligsten Jungfrau die Botschaft brachte. Und was sagte wohl die hl. Jungfrau zu dieser Ehre und Auszeichnung? Hatte sie Freude oder eitle Gedanken dabei, daß sie so großer Ehre gewürdiget wurde? Nein, nicht der leiseste Gedanke der Eitelkeit stieg in ihr auf, denn hätte sie auch nur einen geheimen eitlen Gedanken gehabt, so wäre sie auch nicht mehr würdig gewesen, Mutter des Sohnes Gottes zu werden. Aber nichts von dem war in Maria zu finden. Ganz von ihrer Niedrigkeit erfüllt, nannte sie sich eine Magd des Herrn. „Siehe, ich bin eine Magd des Herrn.“ Sie ist auserwählt zur höchsten Würde, die sie je erreichen kann und nennt sich doch nur eine Magd des Herrn.

Hieraus kann man zwei wichtige Punkte herausnehmen. Erstens, daß man die eitlen Gedanken unterdrücken und bekämpfen soll und zweitens, daß man sich nicht über andere erheben und den Nächsten dann geringschätzen darf. Wie oft wird uns Gelegenheit gegeben von der Welt, von unserem eigenen Dornzweig, der in jedem Menschen-Herzen steckt seit der ersten Sünde Adams, menschliches Lob zu suchen, daran Freude zu finden, etwas gelten zu wollen und von anderen geehrt und geliebt zu werden.

Es kann öfter vorkommen, wenn eine Schwester recht mit Aufmerksamkeit und Hinopferung den Kranken entgegenkommt, daß sie von dem Kranken selbst oder von seinen Angehörigen geliebt und gelobt wird, daß sie alle möglichen Ehrentitel erhält, „Engel“ und wer weiß was alles genannt wird. Würde nun die Schwester sich darüber freuen und sich denken: „Ja, es ist wirklich so, eine andere würde es gewiß nicht so machen wie ich, ich muß wirklich ein wahrer Engel sein“ – ganz gewiß wären dann alle Verdienste verloren. Wird Ihnen wirklich ein solches Lob erteilt, so denken Sie sich dabei: „O mein Gott, wie unwürdig bin ich doch einer solchen Ehre! Wenn ich vielleicht dieses recht gemacht habe, so begehe ich doch sehr viele andere Fehler, die mich nur der Strafe würdig machen. Dir allein, o mein Gott, soll alle Ehre zukommen.“ Mit solchen und ähnlichen Gedanken sollen Sie das Lob, das ihnen zukommt, aufnehmen. Gewiß werden Sie die Demut auf solche Weise bewahren.

sel. P. Anton Maria Schwartz, aus der Konferenz am Feste Maria Verkündigung 1887 an die Barmherzigen Schwestern

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